Ich habe gerade eine Tirade für die Beibehaltung des Referenzertragsmodells geschrieben, die ich auch hier festhalten möchte.

Das Referenzertragsmodell führt dazu, dass der im Ausschreibungsverfahren gebotene und hoffentlich bezuschlagte Strompreis für die tatsächliche Windenergieanlage mit einem Standortfaktor korrigiert wird, der die Windhöffigkeit, also das Windangebot am Standort, mit einem definierten Referenzstandort ins Verhältnis setzt. So wird ein Ausgleich dafür geshcaffen, dass auch an windschwächeren Standorten Windenergie wirtschaftlich gewonnen werden kann. Die “Blackrot” Koalition hat sich schon im Koalitionsvertrag vorgenommen, diese Regelung zu überprüfen, und Ministerin Reiche will sie natürlich gerne ganz abschaffen.

Ich meine, es sollte beibehalten werden, und erkläre hier warum:

Der Auktionspreis bezieht sich auf den Referenzertrag, d.h. eine WEA an einem schwachen Standort kann in der Auktion mit 6ct bezuschlagt werden, das Referenzertragsmodell rechnet diesen Zuschlagspreis aber dann auf den Standort um, der erzeugte Strom wird tatsächlich auf 20 Jahre mit z.B. 8ct EEG-Einspeisevergütung vergütet.

Die Windenergieanlagen trotz unterschiedlicher Windhöffigkeit auf das ganze Bundesgebiet zu verteilen, ist meiner Überzeugung nach aus zwei Gründen sinnvoll und wichtig:

  1. eine Konzentration auf die windreichen Küstenregionen führt bei Wetterlagen, die dort zu wenig Wind führen, zu einem erheblichen Einbruch der gesamten Windstromerzeugung. Durch die Verteilung im Land dagegen gleichen sich örtliche Wettersituationen öfter aus, und die Windstromerzeugung insgesamt wird dadurch verstetigt. (Auch Offshore-Wind hat zwar ein höheres durchschnittliches Windaufkommen, wobei die Wissenschaft bis zum Erreichen der Ausbauziele schon von erheblichen Abschattungseffekten ausgeht, so dass der politisch geplante Zubau immer weniger Mehrertrag liefern wird, aber die Minima sind genauso stark ausgeprägt wie bei Wind an Land.)

  2. die “Kupferplatte”, also ein Netzausbau bis zu dem Grad, dass es egal ist, wo Strom produziert wird, er steht bundesweit zur Verfügung, ist weder praktikabel noch wirtschaftlich. Daher müssen Situationen, wo die ganze Stromproduktion in einer Region konzentriert ist, vermieden werden. Speicher können temporäre Schieflagen kompensieren und die Auslastung der Übertragungsnetze erhöhen, aber eine dauerhafte Schieflage über Monate kann nur durch mehr Leitungen adressiert werden. Windstrom ist Winterstrom - die Luft ist dichter und es weht mehr Wind als im Sommer, daher überwiegt die Erzeugung in den Wintermonaten - und damit gut korrelliert mit dem Strombedarf für das elektrische Heizen mit Wärmepumpen, auf das wir uns einstellen müssen. Solarstrom ist dagegen Sommerstrom, viel PV im Süden kann daher weniger WEA nicht kompensieren, wir brauchen einen Mix im ganzen Land. Starke dezentrale Erzeugung macht das Land außerdem resilienter gegenüber dem Ausfall von großen Stromtrassen, sei es durch Anschlag oder durch ein Unglück. Das sind Vorteile, die eine höhere Vergütung für weniger windhöffige Standorte volkswirtschaftlich rechtfertigen.

Daher bin ich der Überzeugung, dass das Referenzertragsmodell volkswirtschaftlich sinnvoll ist und beibehalten werden soll. Hätten wir mehrere Stromzonen oder nodales Pricing, dann würden die Marktpreise in den Netzregionen ohnehin den Windstrom im Süden höher vergüten. Denn auch die “korrigierten” Strompreise liegen unter oder auf dem Niveau von Kohlekraftwerken (schon ohne CCS oder künftig steigender CO2-Preise) und unterbieten Gas bei weitem.