Die Deutsche Bahn plant auf Anregung durch die Stadt München und BMW und beauftragt durch den Freistaat Bayern als Vorläufer für den Traum vom S-Bahn-Nordring einen Pendelverkehr von Karlsfeld oder Moosach zum FIZ und/oder Euro-Industriepark. Das ganze hat neulich wieder die Aufmerksamkeit von BMW und Presse bekommen, weil das Projekt nicht zur Sanierungssperrung des Allacher Autobahntunnels fertig werden soll. Dass Straße und Schiene ganz unterschiedliche Planungsregularien und -geschwindigkeiten aufweisen, ist ja immer wieder zu beobachten. Bei meiner Recherche bin ich aber auf widersprüchliche Informationen zum Projektstand gestoßen.

Ich schrieb dazu am 29.10.25 folgende Mail an die Bahn. Leider ist die erhoffte Antwort bisher ausgeblieben. Um über die Idee leichter diskutieren zu können, stelle ich sie hier rein. Die Wahrnehmung wurde möglicherweise durch zwei Aspekte erschwert, die leider für mich nicht untypisch sind: 1. sie ist eher lang; 2. mein wichtigstes Anliegen steht nicht ganz oben.

An: info(at)bahnausbau-muenchen.de

Sehr geehrter Herr Hatzel, sehr geehrte Damen und Herren,

in den vergangenen Monaten wurde über den Pendelzugverkehr auf dem Münchner Nordring berichtet, besonders wegen des Zusammenhangs mit der Sanierung des Allacher Tunnels. Beispiel: https://www.sueddeutsche.de/muenchen/muenchen-s-bahn-nordring-allacher-tunnel-verkehr-deutsche-bahn-li.3307257 vom 07.09.25

Auf Ihrer Projektseite https://www.bahnausbau-muenchen.de/projekt.html?PID=88 kann ich leider die Abfolge der Aktivitäten und den Zeitplan nicht genau ablesen, ein Zeitstrahl wie bei Großprojekten ist für mich nicht auffindbar. Der Status ist angegeben mit “Aktuell wird die Vergabe der Planungsleistungen vorbereitet.” Der o.g. SZ-Artikel zitiert, es konnte keine Planer gefunden werden. Andererseits berichtet https://afry.com/de-de/newsroom/news/planungsarbeiten-fur-munchner-nordring datiert vom 27.06.24 darüber, einen umfangreichen Planungsauftrag erhalten zu haben. Zitat: “AFRY wurde von der DB InfraGO AG (ehemals DB Netz AG) mit der Verkehrsanlagenplanung, Leistungsphasen 1–4, beauftragt. Dies umfasst die Grundlagenermittlung, Vorplanung, Entwurfs- und Genehmigungsplanung. Außerdem erhielt AFRY den Auftrag für den Vorentwurf, die Entwurfsplanung und die Erstellung der Genehmigungsunterlagen für zwei neue Bahnhöfe einschließlich der Zugangsbauwerke.” Das wirkt auf mich widersprüchlich. Wurde der Auftrag an Afry storniert? Auf der o.g. DB-Seite steht

“Projektstand: Feinplanung;

Ausblick: Erstellung Entwurfsplanung”

Das kann ich so verstehen, dass derzeit die Feinplanung erfolgt (oder abgeschlossen ist? dann wäre “Projektstand: Feinplanung abgeschlossen (Monat Jahr)” eine weniger missverständliche Angabe), und ein darauffolgender Schritt die Entwurfsplanung ist. Aber die wäre laut Afry schon seit mehr als einem Jahr beauftragt?

Mein Hauptanliegen ist aber ein anderes. Laut Afry bezieht sich die Planung auf die Strecke 5560. Das ist für den Nordring insgesamt naheliegend, denn das sind seine beiden Durchgangsgleise. Wenn es aber zunächst um einen Pendelverkehr geht, kommt mir eine andere Lösung einfacher vor: Neben den beiden Hauptgleisen des Nordrings verläuft ab Gbf München-Milbertshofen nach Osten als nördlichstes Gleis die Strecke 5567. Ab der Weiche auf Höhe der Westkante von BMW Werk 01.30 in https://www.openrailwaymap.org/?style=electrified&lat=48.189882044201106&lon=11.557048559188843&zoom=18 ist das Gleis elektrifiziert, nur die Weiche selbst nicht, sofern es sich dabei nicht um einen Detailfehler auf ORM handelt. Wenn der Pendelzug ab da (ersatzweise könnte er erst auf Höhe der Schleißheimer Str. ausfädeln) die 5567 befährt, wäre er von dem SGV Durchgangsverkehr auf den beiden Hauptgleisen weg, gerade in dem Streckenteil, wo er wegen seiner Halte besonders im Weg umgehen würde. Außerdem ist nördlich des Gleises kein weiteres, so dass sich ein Seitenbahnsteig ohne Schienenquerung anschließen lassen würde. Für den Haltepunkt FIZ könnte der Bahnsteig sich auf der Brücke über die Knorrstraße erstrecken, indem er das stillgelegte Gleis überbaut. Ein Haltepunkt Euro-Industriepark Ost zwischen der geplanten Brücke der Trambahn und dem Fußweg “Missing Link” Maria-Probst-Str./Lindberghstraße erneut mit Bahnsteig über stillgelegtem Gleis wäre ebenfalls (nach Nord/West) ohne Schienenquerung zugänglich und könnte neben den dortigen BMW und EIP Fahrgästen auch manchen DB InfraGO Mitarbeitenden gelegen kommen. Die Nähe zum Zenith/Motorwelt lässt auch Fahrgastaufkommen abends erwarten. https://www.sueddeutsche.de/muenchen/freimann-ein-weiter-weg-fuer-100-meter-1.3347022 von 2017 nennt für die 5567 12 Zugbewegungen am Tag, das sollte sich mit dem Pendelzug vereinbaren lassen. Natürlich kann nur ein Pendelzug auf einmal auf dieser östlichen Teilstrecke sein, aber ich denke, ein 10-Minuten-Takt ist dafür ohnehin nicht vorgesehen.

Die Bahnsteige könnte man als temporäre Konstruktionen bauen, bis dann irgendwann der S-Bahn-Nordring in neuer Schönheit vollendet wird. Die Stadtpolitik hat laut den erstgenannten SZ-Bericht ausdrücklich ein Provisorium vorgeschlagen. Was spricht gegen diese Idee, oder ist das womöglich ohnehin der aktuelle Plan?

Vielen Dank fürs Lesen und ich würde mich über eine Antwort sehr freuen.

Mit freundlichen Grüßen

Karl Ewald

Zur Erläuterung: aus meiner Sicht gibt es folgende Aspekte:

  • die Politik will aus nachvollziehbaren Gründen den Pendelverkehr rechtzeitig zur Sperrung des Allacher Tunnels haben. Sie begrüßt dabei ausdrücklich auch ein Provisorium.
  • der Güternordring ist wichtig für die Verkehrswende, schon heute intensiv genutzt und soll möglichst wenig unter dem zusätzlichen Personenverkehr leiden.
  • Die Fahrgäste müssen ja auch an den neu zu schaffenden Haltepunkten einen Bahnsteig vorfinden. Mehr als 210 m lang braucht der sicherlich nicht sein (S-Bahn Langzug), aber das wäre nicht verkehrt.

Ich betrachte nicht die Anbindung ans bestehende S-Bahn-Netz in meinem oben wiedergegebenen Vorschlag, sondern konzentriere mich auf die neuen Haltepunkte. Ich sehe aber, dass vom Bahnhof München-Moosach Gleis 3 die Strecke 5525 erreichbar ist, und ein Einfädeln in den Nordring 5560 möglich ist. Dabei muss der Zug nach Westen ab Lasallestraße das Gegengleis benutzen.

In Anbetracht der Tatsache, dass die S1 in Feldmoching ohnehin eine U-Bahn-Anbindung in den Münchner Norden hat (Am Hart erschließt ziemlich genau die BMW-Ziele), wäre es freilich sinnvoller, die Pendel-S-Bahn an die S2 anzubinden, damit neue Verkehrsbeziehungen geschaffen werden. Aber weder in Allach noch in Karlsfeld liegen Gleise an einem Bahnsteig an, von denen Weichen zum Güternordring führen. In Karlsfeld befindet sich zwischen den S-Bahn-Gleisen und den Gütergleisen noch dazu die Schnellfahrstrecke. Östlich der Güterstrecke 5563 liegen aber aufgelassene Gleise, die für den Pendelzug reaktiviert und elektrifiziert werden müssten, dann wäre wohl auch ein ebenerdiger Zugang von Osten realisierbar. Irgendwo muss der Pendelzug ja auch Pause machen oder abgestellt werden können. Neben der Elektrifizierung dürfte der Einbau von Weichen großen Aufwand erfordern.

Oder man nimmt die Gleisbelegung der östlichen Gleises der Güterstrecke 5563 in Kauf und baut an dieses einen Behelfsbahnsteig an seine Ostseite. Damit man die Lärmschutzwand nicht wieder wegreißen muss, würde der Bahnsteig von der Fußgängerunterführung nach Süden verlaufen. Der Zugang von Osten kann ebenerdig erfolgen. Dieses Setup würde aber Bauarbeiten für eine bessere Lösung im Wege stehen.

Wenn man noch weiter guckt, dann wäre Esting an der S3 ein interessanter Haltepunkt für P+R Umsteiger. Die Gütergleise umklammern allerdings ab Olching die Schnellfahrstrecke nach Augsburg, und nur die südliche Spur erlaubt einen Wechsel auf die S-Bahn-Gleise. Auf dem Güternordring sehe ich von Forstweg bis Olching leider keine Überleitstelle, der Zug stadtauswärts wäre also ab Forstweg auf der falschen Seite. Straßenseitig müsste man auch eine Ausfahrt von der B471 auf eine Vergrößerung des Parkplatzes Esting erst schaffen, dann wäre es aber eine frühe Gelegenheit, Verkehr von der A8 auf die Schiene zu packen, auch während der Allacher Tunnel zu ist. Eignet sich aber nicht für eine schnelle Lösung.

Aber nun zum “Ostteil” der Pendelstrecke.

Mein Vorschlag sieht die Ausfädelung aus dem Nordring auf 5570/5567 hier vor, wobei nur das Abzweiggleis zur 5570 nicht elektrifiziert ist laut Openrailwaymap:

auf Openrailwaymap eingezeichnete Skizze der Gleisnutzung für den Pendelverkehr

auf Openrailwaymap eingezeichnete Skizze der Gleisnutzung für den Pendelverkehr

Damit ist der Pendelzug ziemlich schnell wieder vom Nordring weg. Insbesondere belegt er die Durchgangsgleise nicht an seinen neuen Haltestellen. Damit wird der Güterverkehr nur wenig beeinträchtigt.

Für die möglichen Lagen der Bahnhöfe habe ich den BayernAtlas (atlas.bayern.de) genommen, weil man darin Entfernungen messen kann, so dass ich mich vergewissern kann, dass ein Bahnsteig von 210 m hin passt.

Auf der Brücke über die Knorrstraße könnte das vierte Gleis (Openstreetmap sagt “aufgelassene Bahnstrecke”) mit dem Bahnsteig überbaut werden. Von da müsste man auf mindestens einer Straßenseite eine Treppe runter auf die Knorrstraße ansetzen. Ggf. kann man aber auch etwas abseits der Straße direkt auf das Gelände, womöglich will BMW sogar eine Zugangsschleuse in den Zaun zum FIZ machen für die Leute.

BayernAtlas Luftbild mit Skizze einer möglichen Bahnsteigplatzierung FIZ

BayernAtlas Luftbild mit Skizze einer möglichen Bahnsteigplatzierung FIZ

Der zweite Haltepunkt “Euro-Industriepark” könnte östlich der entstehenden Trambahnbrücke liegen. Hier schwenkt das Gleis vom Nordring weg nach Nordost, um dann im InfraGO Gelände zu enden.

Ich glaube, ich habe den Bahnsteig hier ein wenig zu weit westlich eingezeichnet. Das Gleis ist jedenfalls für die benötigte Bahnsteiglänge gerade, das ist wichtig, damit die Abfertigung durch den Triebfahrzeugführer auf Sicht erfolgen kann, und keine technische Unterstützung (z.B. Kameras/Monitore) benötigt werden.

BayernAtlas Karte mit Skizze des möglichen Haltepunkts EIP

BayernAtlas Karte mit Skizze des möglichen Haltepunkts EIP

Die Politik hat ja ausdrücklich ein Provisorium vorgeschlagen. Das könnte nach meiner laienhaften Vorstellung ein aus Bauholz zusammengezimmerter Bahnsteig sein, wie es auch sonst bei Bauarbeiten manchmal gemacht wird, oder etwas edler, eine auf dem Gleis aufsetzende Plattform, wie sie beim Hauptbahnhof Gl.26 aufgebaut wurde. Jedenfalls kann Gleisbett und Gleis als Fundament dienen.

Für einen Pendelverkehr ab Moosach bräuchte es neben den neuen Bahnsteigen am Nordring (mit Zugängen) und den paar Metern Oberleitung an der Weiche keine weiteren baulichen Veränderungen. Bis einer der Bahnhöfe an der S2 passend ausgebaut ist, könnte so relativ schnell ein Pendelverkehr starten, stelle ich mir vor.